Im Besitz der Koblenzer Linie der Familie Hufnagel aus Steinau an der Straße fand sich die Federzeichnung eines Wappens, von dem niemand weiß, woher sie stammt.

Hufnagelwappen von 1500

Die Blasionierung des Wappens lautet: Schild von Blau über Gold geteilt. Oben ein schreitender Löwe. Unten auf blauem Dreiberg ein senkrechter roter Hufnagel, belegt mit zwei ebensolchen gekreuzten; auf dem Helm mit blau-goldenen Decken und gleichfarbigem Helmwulst zwei offene, blau-goldene, übereck geteilte Büffelhörner.

In der Wappenschleife wird möglicherweise der Stifter oder einer der Wappenträger genannt: C. F. HUFNAGEL. Vielleicht handelt es sich um den Carl Friedrich Hufnagel aus der Altengronauer Linie. Lebensdaten, Initialen und "Fundort" sprechen dafür. Gesichert ist diese Annahme allerdings nicht.

Der inzwischen verstorbene Verleger Robert Steimel, Heraldiker zu Köln, beurteilte in einer Expertise aus dem Jahre 1976 die Wappenkunst des Wappens als schwach. Das Wappen ist nach seiner Auffassung etwa zwischen 1790 und 1810 in einem Mischstil, vorwiegend Barock, gezeichnet worden, obwohl zu jener Zeit bereits der Empire-Stil dominierte. Seine Aussagen stützen sich auf die stilkritischen Momente. So waren die Quastenenden der Wappenschleife vor 1790 nicht denkbar.

Steimel teilte dem Wappen für seinen wappenkundlichen Inhalt aber ein gutes Prädikat zu. Gestützt auf den geistigen Gehalt des Wappens, dessen Inhalt klar und einfach ausgedrückt sei, datiert er die Entstehungszeit auf "kurz vor 1500". Später hätte man Wappen üppiger formuliert.

Es gibt verschiedene Möglichkeiten der Sinndeutung. Das Wappen könnte entweder vom Beruf oder vom Namen seines Stifters "reden". Erstere finden sind vor allem im städtischen Bürgertum schon früh. Viele der aus dem Handwerksstand hervorgegangenen Familien führen Handwerkszeichen in ihrem Wappen.

Das dem "redenden" Wappeninhalt beigegebene Zeichen, das auf die Herkunft des Stifters hinweisen könnte, hält Steimel für den Löwen der Grafen von Nassau, wie er noch heute im königlichen Wappen der Niederlande zu finden ist, zumal dieses Wappen auf die Farben blau-gold des Herzogtums Nassau ausgerichtet sei. Dies würde aber nach heutigem Kenntnisstand wohl kaum für einen Altengronauer Wappenstifter sprechen, denn der osthessische Ort hat keine Verbindung zu Nassau. Für die von Steimel mit "kurz vor 1500" angenommene Entstehungszeit des Wappens hingegen ist der Aufenthaltsort der Vorfahren unbekannt. Sie werden 1539 in Steinau a.d.Str. erstmals urkundlich erwähnt. Vielleicht ist das Wappen ein Hinweis auf eine Einwanderung der Vorfahren aus Nassauer Landen.

Der Herolds-Ausschuß der Deutschen Wappenrolle wollte Steimel in seiner Deutung des Löwen allerdings nicht folgen, da der Nassauische Löwe Schindeln besitzt, die hier fehlen. Es besteht zwar durchaus die Möglichkeit, dass die uns bekannte Abbildung von einem Zeichner ausgeführt wurde, der solche heraldischen Feinheiten nicht kannte. In der vorgefundenen Form bestand für das Wappen jedenfalls keine Aussicht, in die Deutsche Wappenrolle aufgenommen zu werden.

Daher wurde mit freundlicher Unterstützung des Herolds-Ausschusses der Deutschen Wappenrolle die Wappendarstellung überarbeitet (siehe nebenstehende Abbildung), am 22. August 1994 als Wappen der Koblenzer Linie der Familie Hufnagel aus Steinau an der Straße gestiftet und in der Deutschen Wappenrolle am 05. Oktober 1994 unter der Nummer 9804/94 registriert.

Sinndeutung: Die bisher bekannte, älteste Generation der Familie Hufnagel war in Steinau an der Straße beheimatet. Die Ursprungsheimat wird im Wappen durch die drei Sparren der Grafen von Hanau und durch zwei Sterne - die sich, wie auch die Sparren, im Wappen der Stadt Steinau a.d. Straße wiederfinden - symbolisiert.

Blasionierung: Im geteilten Schild oben in Gold drei rote Sparren, unten über rotem Dreiberg in Gold drei schwarze Hufnägel in Form eines Pfahles und eines überdeckenden Schragens (garben-weise) sowie zwei rote Sterne oberhalb der Hufnägel. Auf dem rot-golden bewulsten Helm mit rot-goldenen Decken die drei Hufnägel wie im Schild zwischen zwei rot-golden geteilten Büffelhörnern.

Nach der Stiftungssatzung sind zur Führung des Wappens alle ehelichen Nachfahren im Mannesstamm berechtigt, die auf Philipp Georg HUFNAGEL aus Offenbach am Main zurückgehen (*16. Juni 1808 in Offenbach, +15. September 1876 in Koblenz).